Es gibt zwei Wege, eine alte Simson schön zu machen: neu lackieren oder erhalten, was da ist. Der zweite ist der schwierigere, oft aber der lohnendere. Originallack gibt es nur einmal, und was einmal abgeschliffen ist, kommt nie zurück. Bei Sammlern schlägt sich das inzwischen deutlich im Preis nieder.
Der Werkslack
... lässt sich an ein paar Merkmalen erkennen. Bevor ihr in Erhaltung investiert, lohnt der genaue Blick:
- Farbton und Glanz stimmen mit dem Modelljahr überein - welche Farben es je Baureihe gab, steht im angepinnten Farben-Thread
- Kanten und Falze: Werkslackierungen sind dort oft dünner, Nachlackierungen laufen gern zusammen
- Unter Anbauteilen: Wurde nachlackiert, ohne alles zu demontieren, sieht man am Rand von Schriftzügen, Emblemen oder Gummis den Übergang
- Overspray an Rahmen, Schrauben oder Gummiteilen ist ein sicheres Zeichen für eine spätere Lackierung
Der Grundsatz
... lautet: so wenig wie möglich. Alter Lack ist dünn, und jede Politur trägt Material ab, das nicht nachwächst. Also erst waschen, dann beurteilen und nur so viel machen wie nötig.
Für die schonende Aufbereitung reicht in aller Regel: gründlich, aber sanft reinigen, danach eine milde Politur nur dort, wo es wirklich nötig ist, und zum Schluss ein Wachs als Schutzschicht. Von aggressiven Schleifpolituren oder gar der Maschine sollte man bei dünnem Altlack die Finger lassen. Damit ist eine Kante schneller durchpoliert, als man schauen kann.
Neben dem Lack sitzen an der Simson jede Menge Aluteile, die mit den Jahren stumpf werden. Dass man die mit einfachen Mitteln wieder ansehnlich bekommt, zeigt dieses Video:
Owatrol
... ist ein Mittel gegen Rost, nicht für Lack. In Restaurierungsthreads taucht das Leinölfirnis immer wieder auf. Es härtet mit Sauerstoff aus und entzieht dem Rost damit das Oxidationsmittel, stoppt vorhandenen Rost und konserviert die Oberfläche, ohne die Patina zu beseitigen.
Wichtig ist die Einschränkung: Owatrol wirkt auf angerostetem Untergrund, in den es einziehen kann. Auf gut erhaltenem Lack oder blankem Metall bringt es nichts, dort haftet es nicht dauerhaft. Es ist also kein Lackpflegemittel, sondern ein Rostkonservierer für die Stellen, an denen der Lack bereits verloren ist.
Aufgetragen wird es satt und in mehreren Durchgängen mit einigen Stunden Abstand. Und es ist keine einmalige Sache - die behandelten Stellen sollte man jährlich kontrollieren und bei neuem Flugrost nachbehandeln.
Die Neulackierung
... ist manchmal die ehrlichere Antwort. Erhalten lohnt sich, solange Substanz da ist. Ist der Lack großflächig abgeplatzt, blüht darunter Rost oder muss ohnehin geschweißt werden, wird aus Erhaltung Selbstbetrug. Dann ist eine saubere Neulackierung der bessere Weg und wertet das Fahrzeug auch auf, solange sie ordentlich gemacht ist.
Die Zwischenlösung, die viele wählen: Substanzerhalt am Rahmen und den unsichtbaren Teilen, Originallack an Tank und Seitendeckeln belassen, auch wenn er Gebrauchsspuren hat. Genau diese Kombination bringt bei der Wertermittlung oft mehr als ein durchlackiertes Fahrzeug - mehr dazu im Artikel Was ist meine Simson wert?
Bevor ihr anfangt: Stellt Fotos eures Zustands im Forum ein. Bei der Frage erhalten oder lackieren haben erfahrene Schrauber ein gutes Auge, und die Entscheidung lässt sich nur in eine Richtung revidieren.
Titelbild: Max schwalbe, Wikimedia Commons, Lizenz CC BY-SA 3.0