Versteht mich nicht falsch, sondern ich will nur versuchen rüber zu bringen, worauf es bei der Verzahnung ankommt.
Hier mal eine kleine Grafik zum Thema Balligkeit (schöner gehts nicht, sonst wär ich kein Maschinenbauer sondern Künstler geworden :-)):
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Ein Beispiel aus dem Alltag: Bei uns muss werkzeugbedingt die Flankenballigkeit eines Zahnrades um 2µm im Nennmaß reduziert werden. Grund, weil die Hartbearbeitungswerkzeuge nach dem Einlaufen auf der linken Flanke in einen Grenzbereich absinken (Toleranzverletzung um 1µm). Hört sich wenig an, ist bei der Mikrogeometrie aber viel Zeug. Dort redet man von Toleranzspannen von 4 - 6 µm.
Nein, wir bauen keine Hochpräzisionsgetriebe, sondern ganz normale PKW-Getriebe. Die Entwicklung braucht nun ca. 1 Woche um zu simulieren, ob in speziellen Lastfällen ein Tragen auf der Kante zustande kommt (Aufsummierungen aller Gegebenheiten wie: Durchbiegung der Wellen, Toleranzausnutzungen der Lagerbohrungsbositionen und noch 5000 andere Faktoren...). Und warum? Weil der Zahn brechen kann, wenn die Kraft zu weit an den Rand des Zahns rückt. Deswegen legt man auch oft das Tragbild im lastlosen Zustand richtung Kante, damit es bei Vollast (Durchbiegung der Wellen, Gehäuseausdehnung, Betriebstemperatur etc...) in der Flankenmitte liegt.
Das Thema hat sicherlich Potential zur Doktorarbeit und da sind mit Sicherheit auch nicht wenige geschrieben worden. Das obengenannte Thema ist aber jetzt wirklich etwas overloaded für das eigentliche Vorhaben. Aber Verzahnung ist ein mitunter sehr unterschätztes Thema...
Würd ja auch gern aus dem Web mal paar Quellen hier hinzufügen, um einigen Leuten mal etwas Gefühl für die Materie zu vermitteln, aber es gibt schlicht und ergreifend nichts im WWW was sich annähernd mit dem Thema auseinandersetzt. Alles sehr speziell. Lehrstoff, Lehrgänge und Software teuer. Nix Freeware.
Aber gerade bei der Simson isses vielleicht gar nicht so kompliziert, wenn man gewisse Grundregeln beachtet. 4 - 6 µm Flankenballigkeit, geschissen gut. Wenn das erste Getriebe ausfällt, biste vielleicht schlauer. Die Materialwahl ist ja prima getroffen.
Manche Leute fertigen sowas schon haltbar, z.B.: ORP oder der Primär von Ronge.
Gerade zum Rongeprimär hab ich hier unlängst ein Bild mit Zahnausfall im Forum gesehen. Bestimmt ein Einzelfall. Aber für den Zahnausfall gibts verdammt viele Gründe. Um einige aufzuzählen:
- Verhältnis zwischen Kernhärte und Randschichthärte zu groß, dadurch zuviel Elastizität im Kern & zu spröde Öberfläche <- Mikrorisse in der Oberfläche, später Zahnbruch.
- Kantenbildung im Übergangsbereich zwischen Protuberanzbereich (Freischnitt im Zahnfuß) und Profil (oft bei Verzahnungshartbearbeitung) <-Sollbruchstelle, Zahnbruch.
- Falsch ausgelegter Fußkreis <- zu hohe Zahnfußspannung, dadurch Zahnbruch.
- Falsch ausgelegte Protuberanzgeometrie <- zu hohe Zahnfußspannung, dadurch Zahnbruch.
Den Rißverlauf hab ich von dem Bild leicht diagonal in Erinnerung, man konnt es nicht eindeutig erkennen.
Deshalb die für mich als wahrscheinliche Ursache: Ein Tragen auf der Kante.
Der Grund muß nicht die Verzahnung gewesen sein, sondern vielleicht auch die Rahmenbedingungen wie zwei nicht nummerngleiche Gehäuse (Beispiel!) mit leichter Dispositionierung der Lagersitze.
Oder ein zu starkes verwinden der Wellen (Ist ja je nach Leistung unterschiedlich).
Alles Vermutung und Spekulation ohne die Teile in der Hand gehabt zu haben. Sollte hier auch nur als Beispiel dienen und keineswegs gegen den Ronge Primärtrieb sprechen, der ist nämlich klasse.
Gerade gestern die Nabe für das doppelreihige Lager gekürzt 
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Aber ich kann das so nicht unterschreiben, von wegen, bei der Simson brauchste doch keine Mikrogeometrie, ist doch alles total übertrieben.
Den Kolben muss auch konisch gedreht sein, egal ob beim 2L Diesel oder bei der Kettensäge. Eben je nach Bedarf... aber das muss schon sein.
Manche reden hier teils von nem 130er mit 3X PS und 1X Nm.
Und das bei den kleinen Rädchen... Da ist richtig was los im Getriebe!
Ich kann nur den Rat geben, sich schlau zu machen, ob die Räder zumindest jemand schaben kann. Das wäre das einfachste aber gescheiteste.
Aber da es ja ein gängiges Modul ist, kostet es bestimmt nicht die Welt.
Das mit dem Einlaufen kann man auch ganz schnell vergessen... Bei 2 ineinanderlaufenden Evolventen entsteht fast nur Druck und ein Abwälzen. Keine Reibung, maximal Mikrobewegungen.
Sowas gibts wenn dann bei der Hypoidverzahnung oder wenn die Geometrie nicht stimmt. Dann gibts Reibung, Hitze, Pitting und schnellen Verschleiss. Wir hatten mal einen Rückläufer mit 120.000 km. Der hatte an einem Gangrad aus der Fertigung einen Klopfer. Die Kiste hat 120.000 km auf dem Klopfer getragen.Dieser war schön blank. Der Rest vom Zahn war vom Härten noch dunkel. Soviel zum Einlaufen...
Bezüglich des Härteverzugs ist es schwer berechenbar, bei uns werden sogenannte Chargenvorläufe gefahren und anschließend die Werkzeuge im Schleifraum den Bedürfnissen angepasst.
Allerdings haben wir aufgrund der Ausbringung auch keine Vakuumöfen, damit lässt sich der Verzug nämlich minimieren. Mit dem eigentlichen Nitrieren hab ich bei Verzahnung keine Erfahrung. Wir nitrieren nur Bolzen.
So, trotz all dem Geschwätz, lass dich nicht entmutigen. Aber nehms im Gedanken mal mit...