Leistungsprobleme S53 Habicht

  • Hallo liebe Simson-Freunde,

    Ich habe seit 3 Jahren mal wieder versucht meine Simson zum laufen zu bringen. Allerdings wird beim fahren sehr schnell klar, dass die Leistung eine andere ist als zuvor. Sie hat teilweise Probleme im 2 Gang eine Steigung hochzukommen, aber kann auch auf grader Strecke im 4. Gang plötzlich absaufen.

    Es sei angemerkt, dass ich den Tank entnommen habe (& neu aufgefüllt), den Vergaser entnommen & gereinigt habe und versucht habe diesen vernünftig einzustellen.

    Aktuell bin ich leider planlos, was ich noch ändern könnte und würde mich über Vorschläge/Ideen freuen.

  • Luca, du musst dir angewöhnen, bei der Simson keine gezielte Fehlersuche zu machen. Ich habe eine Lehre zum Landmaschinenmechaniker gemacht. Als Landmaschinenmechaniker repariert und wartet man recht große und komplexe Erntemaschinen. Feldhäcksler, Mähdrescher, Traktoren. Wenn an so einem Fahrzeug eine Störung vorliegt, kann man es nicht komplett zerlegen und jedes einzelne Bauteil auf einen Defekt untersuchen. Das wäre viel zu aufwendig und würde viel zu lange dauern. Man muss eine gezielte Fehlersuche machen.

    Bei der Simson machen wir das aus 2 Gründen nicht.

    Grund 1: Die Simson ist so lächerlich einfach aufgebaut, dass es total einfach ist und relativ schnell geht, alles zu zerlegen und zu prüfen.

    Beispiel Auspuff: Ist er zugesetzt, oder nicht? Was macht man? Stundenlang überlegen? Natürlich nicht. Zerlegen und reinschauen. Weil es so einfach und schnell geht. Beim Mähdrescher geht das nicht so einfach. Abgesehen davon habe ich noch nie davon gehört, dass ein Auspuff eines Mähdreschers mit Abgasrückständen verstopft war. Beim 4 Takter passiert das kaum. Ich muss immer schmunzeln wenn mich die Besitzer der Mopeds manchmal fragen, warum ich denn den Auspuff zerlege. Ich wüsste doch gar nicht, ob er zugesetzt ist. Natürlich weiß ich das nicht. Und deshalb kontrolliere ich es eben.

    Grund2: Aus Erfahrung kann ich sagen, dass sowieso oft mehrere Sachen kaputt sind oder verstopft. Viele Mopeds sind einfach so miserabel gewartet, dass nicht nur eine Sache im Argen ist. Deswegen macht es IMMER Sinn, sich bei solchen Störungen (Motor läuft nicht richtig, springt schlecht an, Leistungsverlust) ALLES um den Motor herum zu prüfen. Und nicht nach dem ersten gefundenen Fehler aufzuhören.

    Wenn du jetzt zum Beispiel den Auspuff demontierst und feststellst, dass er mit Verbrennungsrückständen zugesetzt ist und das den Leistungsverlust verursacht, dann solltest du trotzdem die anderen Dinge, die ich im Folgenden aufliste, überprüfen. Es ist nicht unwahrscheinlich, dass du noch mehr Sachen findest, die nicht so sind, wie sie sein sollen.

    Diese Liste gilt für alle Mopeds. Auch für die, die vermeintlich "gut" laufen. Jeder, der das bei seinem Moped noch nicht gemacht hat, sollte diese Liste abarbeiten. Gerade wenn eine größere Tour geplant ist. Wäre dumm, wenn man unterwegs wegen einer Kleinigkeit liegen bleibt, die man zu Hause leicht hätte erledigen können. Wenn man eben danach geschaut hätte. Mit dieser Anleitung sind im Prinzip so gute wie alle "Moped läuft nicht richtig" "hat keine Leistung" "Springt nicht oder schlecht an" Threads hinfällig und überflüssig. Man sollte sie irgendwie ganz oben anpinnen. Den Besitzern ist damit viel mehr geholfen, als wenn sie hier ewig rumfragen und nicht zum Ziel kommen.

    Wenn eine Störung vorliegt wird, wie gesagt, zunächst keine gezielte Fehlersuche gemacht. Das bringt nichts. Es wird stur die Liste abgearbeitet. Man sollte auch nicht versuchen, aus irgendwelchen Geräuschen oder Verhalten des Mopeds/Motors abzuleiten, wo der Fehler liegt. Das ist Zeitverschwendung. Ich habe das früher auch immer so gemacht. Und der Fehler lag meist ganz woanders und war viel einfacher, als ich vermutet habe. Wenn man hier im Forum so sieht, wie viele Beiträge da kommen, in denen irgendwelche Probleme geschildert werden, könnte man meinen, dass es hunderte oder tausende Gründe gibt, warum der Motor nicht oder nicht richtig läuft. Dabei sind es viel weniger. Die Leute machen es sich viel zu schwer. Lange Rede. Kurzer Sinn. Hier nun die Liste. In welcher Reihenfolge man diese abarbeitet, ist eigentlich egal. Wichtig ist nur, dass man alle Punkte abarbeitet.


    1. Auspuff demontieren und gegebenenfalls reinigen. Auch wenn das Moped läuft! Wenn man nicht weiß, wie es im Auspuff und Krümmer aussieht, dann zerlegen und rein schauen. Jeder, der das noch nicht gemacht hat, sollte das tun! Und wenn der Auspuff sauber sein sollte, dann war die Demontage trotzdem nicht umsonst. Denn dann weiß man eben nun, dass er sauber ist und es nicht an ihm liegen kann. Ich habe vor vielen Jahren mal, als ich diese Erfahrung noch nicht hatte, das ganze Moped auf den Kopf gestellt weil es nicht mehr ansprang. Aber auf den Auspuff bin ich nicht gekommen. Schon doof. Wenn der Auspuff total zugesetzt ist, kann man sich auch gleich den Auslasskanal im Zylinder anschauen. Der sieht dann meist nicht besser aus. Manchmal sind sogar die Überströmkanäle zugesetzt. Dann sollte zur Reinigung der Zylinder demontiert werden. Aber das sollte man ohnehin machen. Dazu kommen wir aber noch.


    2. Luftfilterkasten (Herzkasten) prüfen. Wenn sichergestellt ist, dass der Motor frei ausatmen kann, prüfen wir, ob er auch einatmen kann. Zunächst schauen wir uns das Ansauggummi an. Das ist oft gerissen und sollte dann natürlich gewechselt werden. Dann sollte der Luftfilter selbst geprüft und ggf. gereinigt oder gewechselt werden. Aus Erfahrung kann ich aber sagen, dass ich noch keinen Simson Luftfilter hatte, der so verstopft war, dass der Motor nicht mehr oder schlechter lief. Also bei den Mopeds, die ich bis jetzt gemacht habe, lag es nie am Luftfilter. Als letztes prüft man, ob das "Ansaugrohr" im Luftfilterkasten frei ist.

    3. Tank und Vergaser prüfen. Nach der Atmung widmen wir uns also quasi der "Nahrungsaufnahme", der Kraftstoffzufuhr. Prüfen, ob die Druckausgleichsbohrung im Tankdeckel frei ist. Es soll weder Über- noch Unterdruck im Tank herrschen. Diese Bohrung ist also sowohl eine Be- als auch eine Entlüftungsbohrung. Wie sieht es im Tank aus? Ist er verunreinigt oder verrostet? Dann reinigen oder, wenn das nicht mehr hilft, einen neuen Tank verbauen. Dann den Benzinhahn prüfen, ggf reinigen oder erneuern. Wenn ein Benzinfilter im Benzinschlauch sitzt, diesen ebenfalls prüfen. Ich hatte mal einen durchsichtigen, der von außen sauber aussah. Aber irgendwie war das Filtersieb aus Kunststoff verklebt oder vom Benzin teilweise aufgelöst. Und deswegen kam es aus dem Benzinschlauch nur noch "getröpfelt". Meine Meinung zu diesen Leitungsfiltern generell: Schmeißt sie raus! Die sind unnötig. Am Benzinhahn ist schon ein Filter dran oder drin. Oder sogar 2. Da braucht man nicht noch einen im Benzinschlauch. Den Kraftstoff selbst im Zweifel fachgerecht entsorgen und durch frischen Kraftstoff ersetzen. Zum Schluß noch den Vergaser komplett zerlegen und reinigen. Dabei prüfen, ob alle Düsen frei sind und ob Benzin im Schwimmer ist. Und vor allem auch prüfen, ob der Flansch plan ist! Prüfen, ob das Gummi im Starterkolben fest sitzt und noch weich ist. Wenn nicht dann wechseln. Sicherstellen, dass der Starterkolben beim Deaktivieren des Startvergasers auch bei eingeschlagenem Lenker schließt. Dazu Starterkolbengehäuse nur mäßig anziehen und Spiel im Starterzug korrekt einstellen. Manchmal rutscht beim deaktivieren des Startvergasers ("Choke") die Hülle des Starterzuges aus ihrem Widerlager. In diesem Falle besteht die Gefahr, dass der Starterkolben nicht richtig schließt. Da kann man sich mit 2 kleinen Kabelbindern ein "Zugband" basteln, das den Bowdenzug an seinem Anschlag hält. Ggf. einen neuen Vergaser verwenden, wenn der alte nicht mehr zu retten ist. Ich hab gerade wieder ein Moped da, bei dem ich eigentlich nur den Zylinder und Kolben wechseln sollte. Aber in diesem Zuge schaue ich mir natürlich den Vergaser mit an. Und siehe da.......Düsenstock bzw. Nadeldüse nicht festgezogen. Wird aber scheinbar auch nicht mehr richtig fest. Das Gewinde scheint im Arsch zu sein. Ich gehe jetzt nicht detailiert darauf ein, was alles im Einzelnen am Vergaser geprüft werden muss. Das, was ich dazu geschrieben habe, reicht auch fürs Erste. Dazu gibt es aber ohnehin schon genug Threads, Beiträge und Videos.

    9 Mal editiert, zuletzt von Steffen85 (20. Juli 2026 um 23:34)

  • 4. Zündung. Nun also quasi der Puls oder Herzschlag des Mopeds. Wenn man so will. An der Grundplatte kann man eigentlich nicht viel machen. Zumindest nicht bei der E Zündung. Aber man kann sie sich ruhig mal genauer anschauen. Vor allem, ob die Kabel alle einwandfrei an die Spulen angelötet sind. Ich bin mal liegengeblieben, weil das rote Kabel sich von der Spule gelöst hatte. Unterwegs war das nicht zu reparieren. Bei der Unterbrecherzündung den Unterbrecher prüfen. Ich gehe auch hier nicht ganz so detailiert drauf ein. Wenn es Zündaussetzer gibt, muss dann eben weiter geprüft und die entsprechenden Teile getauscht werden. Zündaussetzer unterscheiden sich meiner Erfahrung nach im Geräusch von Vergaser- oder Nebenluftproblemen dadurch, dass sie "abgehackte" Geräusche verursachen. Bei Problemen mit der Benzinzufuhr sind es dann eher "sanfte" Aussetzer oder "Wegbleiber". Man sollte auch prüfen, ob die Spulen fest auf der Grundplatte sind. Ich hatte es auch schon, dass die Muttern nicht fest waren. Das gleiche gilt fürs Polrad. Die Befestigungsschrauben der Magnete sollten auf ihren Festsitz geprüft werden. Dann prüfen, ob die Spitze in der Zündspule, auf die das Zündkabel "aufgespießt" wird, noch vorhanden ist. Wenn nicht, dann Zündspule erneuern. Wobei ich dazu sagen muss, dass die Motoren auch ohne diese Spitze noch laufen. Wenn das Zündkabel an seinen beiden Enden "ausgeleiert" ist, dann mit dem Seitenschneider kürzen oder ggf. erneuern. Prüfen, ob die beiden anderen Kabel an der Zündspule fest sitzen. Und auch sehr wichtig: Prüfen, ob der Massekontakt blank ist! Die Zündspule sollte möglichst so am Moped positioniert werden, dass sie kein Wasser abkriegt. Zumindest nicht die Kabelanschlüsse. Zur Zündkerze gibt es nicht viel zu sagen und da kann man auch nicht viel prüfen. Entweder sie geht. Oder sie geht nicht. Und jetzt kommen wir zum Meiner Meinung nach fiesestem: Dem Zündkerzenstecker. Ich hatte mal Zündaussetzer und wieder alles auf den Kopf gestellt. Grundplatte, Zündspule und Kerze getauscht. Mehrmals. Am Ende war es der Stecker. Aber noch dicker kam es vor 2 Jahren. Da hatte ich ja die Erfahrung eigentlich schon. Ein von mir aufgebautes Moped sprang nicht mehr an. Ich hatte alles geprüft. Nix gefunden. Zündfunke war da. Ich war ratlos. Auf gut Glück habe ich dann den Kerzenstecker gewechselt. Das war nur geraten. Kein Verdacht. Ich wusste nicht mehr, was ich noch anderes machen sollte. Und der Stecker war es dann. Meine Theorie: Das Kunststoffgehäuse des Steckers hatte einen Haarriss. Dadurch wird im eingebauten Zustand der Zündfunke über die Blechummantelung an den Zylinderkopf geleitet. Und nicht an die Zündkerze. Somit springt der Motor natürlich nicht an. Im ausgebauten Zustand sieht man das aber nicht. Wenn man mit in den Kerzenstecker eingesteckter Kerze prüft, ob ein Funke da ist, dann kann der Funke nicht über den Blechmantel an den Kopf abgeleitet werden. Das ist nur meine Theorie. Wie auch immer. Mein Tipp: Kauft euch gleich einen vernünftigen Kerzenstecker. NGK oder Champion. Die machen meiner Erfahrung nach keine Probleme. Wenn jemand aber unbedingt auf die Optik des originalen Kerzensteckers besteht, dann sollte er zumindest immer, neben einer Ersatzzündkerze, auch einen Ersatz Kerzenstecker dabei haben. Meiner Erfahrung nach gehen die Stecker öfter kaputt, als die Zündkerze selbst. obwohl die meisten wahrscheinlich davon ausgehen, dass es umgekehrt ist. Zur Unterbrecherzündung kann ich noch sagen, dass ich ein Mal auch den Fall hatte, dass das Polrad kaputt war. Ich weiß zwar nicht was. Man hat nichts dran gesehen und man kann da ja auch nichts messen. Aber mit einem neuen Polrad lief es dann. Das soll es zur Zündung gewesen sein. Wie gesagt, wenn etwas an der Zündung defekt sein sollte und es zu Aussetzern kommt, dann muss halt weiter geprüft werden. Das hier soll ja nur eine Checkliste sein und keine genaue Anleitung zur Zündungsreparatur. Abschließender Tipp von mir: Schlagt euch nicht zu sehr mit der Unterbrecherzündung herum. Wenn es da Probleme geben sollte, dann baut eine Vape ein und dann sollte es mit der Zündung keine Probleme mehr geben. Abgesehen vom Kerzenstecker :)

  • Guter Beitrag! Ewig viel Zeit in die Fehlersuche zu investieren, macht ab einem bestimmten Zeitpunkt keinen Sinn mehr. Oft findet man relativ schnell den Fehler, also mit der Fehlersuche zu beginnen ist richtig. Nur irgendwann kommt der Punkt, da ist man mit einer Liste zum abarbeiten schneller am Ziel. Sehr hilfreich ist dann aber auch, wenn man schon etwas Erfahrung hat und die Teile einschätzen kann. Für jemanden der alles zum ersten Mal macht, kann die Abarbeitung der Liste sehr viel Zeit in Anspruch nehmen.

    Ewig viel Zeit in die Instandsetzung kaputter Teile zu investieren, mache ich auch nicht. Natürlich erstmal probieren, ob man die Teile irgendwie retten kann. Aber sobald Zweifel aufkommen, dass es nicht klappen könnte, sind Neuteile die bessere Alternative. Insbesondere bei günstigen Teilen muss man nicht lange rum probieren. Bei teuren Teilen bin ich risikofreudiger. Wenn es dumm läuft, bleibt man genau wegen so etwas irgendwo im nirgendwo liegen.

  • 5. Motor. Nachdem wir nun um den "heißen Brei" herumgeprüft haben, checken wir den Motor selbst. Öl ablassen. Falls überhaupt noch welches drin ist. Ich will nicht wissen, wie viele Mopeds ohne Getriebeöl herumfahren. Und das seit Jahren oder Jahrzehnten. Kupplungsdeckel demontiern. Dann prüfen, ob der Kurbelwellendichtring noch sitzt, wo er sitzen soll. Wenn es noch ein DDR Pneumant Dichtring ist, würde ich empfehlen, ihn zu wechseln. Man muss aber dazu sagen, dass die alten Dinger teilweise noch dicht sind. Ich schmeiß sie aber trotzdem immer raus, wenn ich den Kupplungsdeckel einmal abgebaut habe. Wenn das Primärritzel demontiert ist, prüft man zunächst aber das Spiel der Kurbelwellenlager. Wenn das zu groß ist, dann braucht man natürlich den Wellendichtring gar nicht mehr einzubauen. Jedenfalls nicht, bevor der Motor überholt wurde. Das gilt natürlich für die rechte Seite ebenfalls. Auf der Primärseite des Motors prüft man außerdem noch das Spiel der Kupplungswellenlager und, ob die große Mutter des Kupplungspaketes fest ist. Das ist sie nämlich manchmal nicht. Außerdem sollte man sich noch den Sicherungsring der Schaltwalze anschauen. Wenn der nicht mehr gut sitzt, sollte ein neuer drauf. Es ist nicht so lustig, wenn man deswegen liegenbleibt. Wobei man deswegen nicht ganz liegen bleibt. Man kann nur nicht mehr hochschalten. 💁

    Nun zur rechten Seite. Lichtmaschinendeckel demontieren. Prüfen, ob das Kettenritzel fest ist. Ggf Wellendichtring hinterm Ritzel wechseln, wenn man einmal dran ist. Dieser Dichtring hat aber natürlich keinen Einfluss auf den Motorlauf. Dann das Polrad demontieren und prüfen, ob die Grundplatte fest sitzt und sich nicht verdrehen lässt. Manchmal sind die Haltekrallen nicht mehr so, wie sie sein sollen. Das Problem ist ja auch schon lange bekannt. Nun wie links auch hier den Wellendichtring auf Festsitz prüfen und ggf erneuern. Wie gesagt, wenn der Motor nicht überholt werden muss! Das war es zur rechten Seite.

    Nun Zylinderkopf, Zylinder und Kolben demontieren. Zylinder und Kolben auf Klemm- oder Fressspuren prüfen. Prüfen, ob sich die Ringe frei in der Nut bewegen können und das Stoßspiel der Ringe noch passt. Dichtflächen prüfen. Wenn die vermackt sind, Zieht der Motor unter Umständen Nebenluft. Auslasskanal und Überströmkanäle reinigen, wenn diese mit Vebrennungsrückständen bedeckt sind. Im Zweifel Zylinder schleifen lassen und neuen Kolben verbauen. Oder auch neuen Zylinder verbauen, wenn der alte nicht mehr zu retten ist (z.B. wegen defektem Krümmergewinde)..

    Noch ganz wichtig: Pleuellagerspiel prüfen! Wenn das zu groß ist und das Pleuellager somit fertig ist, muss der Motor überholt werden. Wenn man da kein Gefühl für hat muss man jemanden zu Rate ziehen, der das einschätzen kann. Das obere Nadellager auf Defekte überprüfen und ggf. wechseln. Die Anlaufscheiben ebenfalls prüfen und wechseln, wenn sie zu sehr eingelaufen sind.

    Wegen verschlissenen Lagern mit zu viel Spiel, bis zu einem gewissen Maß, läuft der Motor zwar nicht schlechter und springt auch nicht schlechter an. Aber die Prüfung der Lager bietet sich halt an, wenn Zylinder und Seitendeckel schonmal demontiert sind. Und man muss ja nicht unbedingt fahren, bis ein Lager komplett ausfällt, wenn man das durch diese einfache Prüfung verhindern kann.

    Das "Innere" des Motors kann man natürlich nicht großartig prüfen, ohne den Motor zu zerlegen. Falls man irgendwie herausgefunden hat, dass der Motor durch die Mitteldichtung Getriebeöl und/oder Nebenluft zieht oder diese Dichtung in Verdacht hat, dann muss der Motor natürlich zerlegt und in diesem Zuge überholt werden.

    Hinweis noch zu den M53/54 Motoren. Hier wird im Prinzip genauso vorgegangen, wie bei den M531/541. Mit Berücksichtigung der bauartbedingten Unterschiede. Zum Beispiel, dass diese Motoren natürlich keinen Schaltwalzensicherungsring haben. Der größte Unterschied und Haken bei den M53/54 Motoren sind natürlich die innenliegenden Wellendichtringe. Wenn die fertig sind, und das sind sie bei einem noch ungeöffneten Motor nach nun 50 oder mehr Jahren meistens, dann muss der Motor gemacht werden.

    2 Mal editiert, zuletzt von Steffen85 (20. Juli 2026 um 23:38)

  • So. Das dürfte es im Großen und Ganzen gewesen sein. Falls ich was vergessen habe, dann bitte einen entsprechenden Hinweis. Das ergänze ich dann noch. Aber im Prinzip kann man mit dieser Anleitung jedes Moped wieder flott kriegen. Das kann ich mit meiner Erfahrung definitiv so sagen. Wenn der Motor nach dem Abarbeiten dieser Punkte noch immer nicht oder nicht richtig läuft, DANN kann man anfangen, zu überlegen und muss gezielt anhand der Symptome den oder die Fehler suchen. Aber meiner Erfahrung nach sind mindestens 90% der Fälle nach dem Abarbeiten dieser Liste gelöst. Da bleibt dann ja so gut, wie nichts mehr übrig, was noch kaputt oder irgendwie faul sein kann. Wie gesagt, falls Vergaser oder Zündung dann doch noch irgendwelche Probleme verursachen sollten, muss man da nochmal genauer checken. Ich bin bewusst nicht so detailiert auf diese Baugruppen eingegangen, damit der Text nicht NOCH länger wird. Wenn Ladespule oder Geber auf der Grundplatte der E Zündung defekt sind, dann müssen die entsprechenden Teile eben gewechselt werden.

    Wie gesagt, ich kann jedem raten, diese Anleitung an seinem Moped mal abzuarbeiten. Sehr lange dauert das nicht. Und es ist auch bei Mopeds nicht verkehrt, die vermeintlich einwandfrei laufen.

    An die erfahrenen (Ckich, Sternexp usw.) hier im Forum: Natürlich seid ihr hier nicht angesprochen. Mir ist natürlich klar, dass ihr selbst wisst, was Phase ist und wie man ein Moped repariert. Mir geht es um die unerfahrenen, die hier nach Hilfe suchen, weil ihr Moped nicht oder nicht richtig läuft. Und die das Wissen und die Erfahrung noch nicht haben, wonach man schauen muss. Es kommen ja fast täglich entsprechende Threads hier im Forum. Und jeder denkt, dass es bei ihm eine andere von Millionen Möglichkeiten gibt, warum sein Moped nicht richtig läuft oder nicht anspringt. Diese Leute will ich mit meiner Anleitung ermutigen und ihnen die Angst nehmen, dass das eben nicht so ist. Viel ist am Moped halt nicht dran.

  • Ewig viel Zeit in die Fehlersuche zu investieren, macht ab einem bestimmten Zeitpunkt keinen Sinn mehr. Oft findet man relativ schnell den Fehler, also mit der Fehlersuche zu beginnen ist richtig.

    Nur irgendwann kommt der Punkt, da ist man mit einer Liste zum abarbeiten schneller am Ziel.

    Sehr hilfreich ist dann aber auch, wenn man schon etwas Erfahrung hat und die Teile einschätzen kann.

    Für jemanden der alles zum ersten Mal macht, kann die Abarbeitung der Liste sehr viel Zeit in Anspruch nehmen.

    Eine wirklich gezielte Fehlersuche macht erst nach dem Abarbeiten dieser Liste Sinn. Falls der Motor danach noch immer nicht laufen sollte. Das ist aber sehr unwahrscheinlich. Es sei denn, wie gesagt, die Zündung oder der Vergaser haben doch noch irgendeine Macke. Oder der Motor zieht durch die Mitteldichtung Nebenluft. Aber erstmal sollte man, ohne zu überlegen stur die von mir aufgelisteten Punkte abarbeiten. Meistens erschlägt man damit alle Probleme. Ich gehe jedenfalls so vor. Auch wenn meine Kunden mir immer irgendwelche Fehlerbeschreibungen oder Diagnosen machen wollen. "Du musst mal gucken ich glaub es liegt am Vergaser." Ich hör da gar nicht mehr hin und gebe auf diese Aussagen im Prinzip gar nichts mehr. Klar kann es dann schon sein, dass es am Vergaser gelegen hat. Oft aber auch nicht nur am Vergaser oder ganz woanders. Und deswegen sage ich ja, dass man da nicht groß diagnostizieren und herumrätseln soll, sondern einfach stur die Liste abarbeiten. Man wäre doch schön blöd, wenn man z.B. wegen eines verstopften Benzinfilters das Moped in eine Werkstatt bringt, wenn man diese Problem mit meiner Liste ganz einfach selber beheben kann. Das Problem und der Fehler ist nur, dass manche Leute vor ihrem Moped stehen und anfangen, zu überlegen und zu grübeln.... "Nein, der Benzinfilter kann es eigentlich nicht sein." Das ist der der falsche Ansatz. Einfach die Liste abarbeiten. Und dann sieht man schon, ob der Filter nun zu war, oder nicht. Das ist viel einfacher und effektiver und schneller, als diese Ratespiel. Man schert mit meiner Liste quasi alles mit einem Mal über einen Kamm. Und das ist viel effektiver und gründlicher, als planlos zu raten und zehn mal anzufangen.

    Erfahrung hat man natürlich nicht sofort. Die muss man sammeln. Deswegen hab ich ja beim Thema Pleuellagerspiel gesagt, dass man sich da jemanden holen muss, der die Erfahrung schon hat. Wenn man das selber dann mal mit einer neuen Kurbelwelle vergleicht, kriegt man schon irgendwann ein Gefühl dafür. Zumindest wenn man sich dafür interessiert. Ich war vor 15 Jahren mal auf einer Kartbahn. Da hat ein Servicetechniker vor Ort 2 mal bei einem Kart einen neuen Kolben verbaut. Der hat auch nicht gleich gecheckt, dass das vollkommen umsonst war weil nämlich herauskam, dass das Pleuellager im Arsch war. Damals wäre ich da wahrscheinlich auch nicht drauf gekommen. Kann natürlich auch sein, dass er es wusste und nur Kolben verkaufen wollte. :) Vor 20 Jahren habe ich mir auch nicht gleich einen Reim auf die Einschläge auf dem Kolbenboden eines Motocrossmotors machen können. Obwohl es eigentlich offensichtlich war, dass das Pleuellager hinüber ist. Aber so war es eben.

    Wenn man noch keine Erfahrung und kein Wissen hat, dauert das Abarbeiten der Liste natürlich länger. Das ist aber nicht schlimm. Aber es dauert trotzdem nicht so lange, als wenn man ohne diese Liste planlos vor dem Moped steht und sich irgendwelche unsinnigen Diagnosen zurechtspinnt.

    Einmal editiert, zuletzt von Steffen85 (20. Juli 2026 um 22:33)

  • Nochmal zum Thema gezielte Fehlersuche und was ich damit meine. Das kann ich schwer erklären.

    Wenn eine Mutter zu Ostern das Osternest mitten im Garten platziert, dann muss das Kind ja nicht wirklich suchen. Und schon gar nicht gezielt. Es sieht ja das Osternest sofort. Das vergleiche ich dann beim Moped mit einem zugesetzten Auspuff. Für mich ist das keine Suche. Sondern eine simple, pauschale Kontrolle. Eine gezielte Suche wäre es meiner Meinung nach, wenn man vorher irgendwie durch eine logische Schlussfolgerung, irgendeinen Test oder eine Messung herausgefunden hat, dass der Motor seine Abgase nicht aus dem Zylinder bekommt. Aber warum sollte man das bei einem so einfach aufgebauten Moped/Motor machen? Der Auspuff sitzt doch quasi auf dem Präsentierteller und ist in kürzester Zeit demontiert. Natürlich könnte dann ein Perfektionist sagen, wenn der Auspuff dann doch nicht zugesetzt ist, dass ich blöd bin und den Auspuff umsonst demontiert und zerlegt habe. Das spielt aber beim Moped eben keine Rolle weil es so einfach und schnell geht. Und er hat damit nur teilweise recht. Denn ich weiß nach der Kontrolle, dass der Auspuff sauber ist. Das wusste ich vorher nicht.

    Bei einer Kfz Gesellen- oder Meisterprüfung würde man mit dieser Tour natürlich durchfallen. Die wollen da eine saubere Fehlerdiagnose sehen. Und wenn ich ehrlich bin, kann ich das dann so auch nicht. Wenn zum Beispiel mein Auto nicht mehr anspringen würde, würde ich auch erstmal dastehen, wie der Ochse vorm Berg. Und das, obwohl es auch noch recht simpel im Aufbau (Baujahr 89) ist. Da kann ich dann auch keine strukturierte Fehlerdiagnose machen und "verlasse mich auf meine Instinkte". :) Zum Beispiel hört man bei der Karre beim anmachen der Zündung die Benzinpumpe kurz laufen. Ich würde sofort hören, wenn das nicht der Fall ist. Wenn der Motor dann nicht anspringt weiß ich sofort, woran es liegt. Aber war das eine saubere Fehlerdiagnose? Nein. Das Gleiche wäre es, wenn ein Zylinder fehlt weil der Marder ein Zündkabel zerbissen hat. Wenn ich höre, dass ein Zylinder fehlt, dann öffne ich die Motorhaube und schaue zuerst nach den Zündkabeln. Könnte ja auch eine Einspritzdüse sein. Aber wenn es ein Marderbiss am Zündkabel ist, dann sehe ich das ja sofort. War das dann eine saubere Fehlerdiagnose? Nein. Aber eben nicht nötig. Mir hat mal ein Kfzler erzählt, dass er durch ne Prüfung geflogen ist oder fast geflogen ist wegen so einem ähnlichen fall. da lief der motor nicht richtig weil ein zündekerzenstecker nicht richtig auf die kerze gesteckt war. das hat er gesehen, hat den stecker aufgesteckt und das problem war gelöst. dem prüfer hat das aber gar nicht gefallen. der wollte eben eine fehlerdiagnose nach dem schulbuch sehen mit diagnosetester (was immer das auch sein soll) usw.. Oder wenn bei mir der OT Geber der Kurbelwelle defekt wäre, dann springt der Motor definitiv nicht an, ich wüsste jetzt nicht, wie ich das gezielt herausfinden könnte. ich würde halt schauen, ob die kabel augenscheinlich in ordnung sind. und falls ja, den geber testweise gegen einen neuen, den ich liegen habe, tauschen. aber auch das wäre keine saubere fehlersuche. das ist dann glück, wenn es tatsächlich der Geber war. Aber um da nochmal den Bogen zum Moped zu spannen.........Keine Sorge und Angst haben! Da ist keine saubere Fehlerdiagnose nötig. Arbeitet einfach meine Liste ab. Der Fehler wird sich euch freiwillig zeigen. Er hat im Prinzip keine andere Wahl.


    Sternexp, wenn ich das richtig sehe, bist du doch KFZ Meister. Kannst du mal erklären, wie du vorgehst, wenn ein PKW Motor nicht mehr anspringt? Das ist eine ernstgemeinte Frage. Ich jedenfalls weiß es nicht. Ich hatte den Fall bei meinen Autos zwar noch nicht. Ich würde aber im Prinzip fast vorgehen, wie beim Moped. Zündfunken prüfen, Kraftstoffzufuhr. und dann halt auf Verdacht irgendwelche Sensoren tauschen. (Wobei ich auch eine simple Möglichkeit zum Auslesen habe.) aber das wird ja in einer guten KFZ werkstatt sicher nicht so gemacht.

  • Übrigens beschränkt sich meine Anleitung nicht auf Simson Fahrzeuge. Man kann das im Prinzip auch auf fast jeden anderen gängigen 2 Takt Motor übertragen, der in einem Moped oder Motorrad werkelt. Und bedingt auch auf 4 Takt Motoren. Es gibt mehrere YouTube Kanäle auf denen videos gezeigt werden, in denen motocrossmotorräder und auch straßenmotorräder, quads usw., die teilweise jahre oder jahrzehnte unbenutzt rumstanden, wieder zum laufen gebracht werden. und die vorgehensweise ist im prinzip immer die gleiche. da wird nichts anderes gemacht, als das, was ich in meiner anleitung geschrieben habe. irgendwann macht man das quasi mit verbundenen augen.

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