Kalt springt sie an, läuft fünf, zehn, zwanzig Minuten - und dann geht sie aus. Nach einer Pause startet sie wieder, das Spiel beginnt von vorn. Dieses Fehlerbild treibt Simson-Fahrer regelmäßig zur Verzweiflung, weil es sich der schnellen Diagnose entzieht: In der Werkstatt läuft alles, der Fehler kommt erst nach der Fahrt. Es sind aber fast immer dieselben vier Verdächtigen, und ein einziger Test grenzt vorab ein, welche zwei davon überhaupt infrage kommen.
Die Zündkerze
... halbiert die Suche, allerdings nur im richtigen Moment, nämlich direkt nachdem der Motor ausgegangen ist. Kühlt die Simson erst ab, ist der Fehler wieder verschwunden und ihr prüft ins Leere. Nehmt also Werkzeug mit, wenn ihr den Fehler eingrenzen wollt.
Dreht die Kerze heraus, steckt sie in den Kerzenstecker und haltet ihr Gewinde an blankes Metall am Motor. Dann durchtreten und schauen, ob ein Funke überspringt. Drei Dinge zur Sicherheit: Kerze, Stecker und Zylinderkopf sind nach der Fahrt heiß, nehmt also einen Handschuh oder Lappen und lasst euch mit dem Kerzenschlüssel Zeit. Aus dem offenen Kerzenloch tritt Gemisch aus, dort also nichts zünden. Und beim Durchtreten die Finger vom Kerzenstecker nehmen, die Zündspannung wischt ordentlich durch.
Kommt kein Funke, setzt die Zündung unter Wärme aus, und ihr könnt euch Tankbelüftung und Gemisch sparen. Kommt einer, arbeitet die Zündung, dann fehlt Sprit oder das Gemisch stimmt nicht. Und weil die Kerze ohnehin in der Hand liegt, schaut euch gleich ihr Bild an: rehbraun ist gut, weiß und trocken deutet auf zu mager, nass und rußig auf zu fett.
Die Tankbelüftung
... ist der einfachste und mit Abstand häufigste Grund, und der, den kaum jemand auf dem Zettel hat. Im Tankdeckel sitzt eine kleine Entlüftungsbohrung. Ist die verstopft, entsteht beim Leerfahren ein Unterdruck im Tank, und irgendwann kommt kein Sprit mehr nach. Der Motor verhungert und geht aus.
Der Test dauert zwei Sekunden: Wenn der Motor steht, dreht den Tankdeckel auf. Zischt es hörbar und läuft die Simson danach wieder problemlos, habt ihr euren Fehler. Bohrung im Deckel reinigen, fertig.
Zündspule und Kondensator
Beide werden im Fahrbetrieb warm, und beide haben die unangenehme Eigenschaft, im Alter temperaturabhängig zu versagen. Kalt funktionieren sie, warm bricht die Isolation zusammen und der Zündfunke bleibt aus. Nach dem Abkühlen läuft alles wieder, was exakt zum Fehlerbild passt.
War es also nicht die Tankbelüftung, sind das die nächsten Kandidaten. Ein Ersatz-Kondensator kostet wenig und ist schnell getauscht, im Zweifel baut ihr einfach einen neuen ein und beobachtet.
Der Unterbrecher
Ein stark abgebrannter oder falsch eingestellter Kontakt kann sich unter Wärme so verändern, dass die Zündung aussetzt. Ihn regelmäßig zu prüfen lohnt sich ohnehin, wie das geht, steht im Artikel Zündung einstellen.
Das magere Gemisch
... ist der unangenehmste Fall und der einzige, bei dem Eile geboten ist. Läuft der Motor zu mager, wird er heiß, und ein heißer Zweitakter geht irgendwann aus, weil der Kolben sich im Zylinder festfrisst. Das ist der beginnende Klemmer.
Ihr erkennt ihn daran, dass der Motor vor dem Ausgehen an Leistung verliert, angestrengt klingt und zäh wird, und dass die Kerze hell bis weiß ist statt rehbraun. Wenn das zutrifft, fahrt nicht weiter, lasst abkühlen und sucht die Ursache. Die liegt meistens bei Nebenluft oder falscher Bedüsung, beides behandelt der Standgas-Artikel.
Die Reihenfolge
Fangt mit dem Tankdeckel an, sobald der Motor steht. Das dauert zehn Sekunden, braucht kein Werkzeug und erledigt den häufigsten Fall. Danach kommt die Kerze raus, solange sie warm ist, und ab da trennen sich die Wege.
Ohne Funke tauscht ihr zuerst den Kondensator, das ist billig, schnell und die häufigste Elektro-Ursache. Danach prüft ihr Unterbrecher und Zündzeitpunkt, zuletzt verdächtigt ihr die Zündspule. Mit Funke und weißer Kerze geht es an Nebenluft und Bedüsung, und bis dahin bleibt das Moped stehen. Mit Funke und normalem Kerzenbild folgt ihr der Spritzufuhr, also Tankbelüftung, Benzinhahn, Schwimmernadel und Filter.
Bleibt der Fehler, schreibt im Reparatur-Board, nach wie vielen Minuten der Motor ausgeht, ob er ruckelt oder schlagartig verstummt und wie das Kerzenbild aussieht. Diese drei Angaben grenzen die Ursache meist schon ein.
Titelbild: Max schwalbe, Wikimedia Commons, Lizenz CC BY-SA 4.0