Ausgehend von der Diskussion hier
https://www.simsonforum.net/allgemein/3018…tml#post2853610
ließ es mir keine Ruhe, mal konkrete Messungen an der Lima durchzuführen, um etwas Licht ins Dunkel zu bringen.
Die Kernfrage lautete, ob es Unterschiede zwischen den zwei existierenden 42-W-Lichtspulen gibt. Sowohl für die Unterbrecher- als auch für die Elektronikzündung gibt es Ausführungen mit 42 W Lichtleistung.
Etwa bei der S 51/1 B wird eine Spule mit der Kenn-Nr. 8305.2-120/1 eingesetzt (Bilux, U-Zündung, 42 W).
Dann gibt es die HS1-Spule 8307.12-120/1, beispielsweise eingesetzt in der S 51/1 C (Halogen, E-Zündung, 42 W).
Rein von der Überlegung her müßten es elektrisch gesehen verschiedene Spulen sein, berücksichtigt man die unterschiedliche Magnetisierung von U- und E-Polrad. Und um das Ergebnis vornewegzunehmen, wurde diese Annahme auch bestätigt.
Die Spulenbezeichnungen sind etwas verwirrend. So weist die 5 in der Grundplatten-Nummer auf eine E-Zündung (SLEZ) hin:
8305.x-xxx
Nur sind die dazugehörigen Lichtspulen mit einer 7 gekennzeichnet, z.B. 8307.12-120/1.
Bei der U-Zündung (SLPZ) ist es umgedreht:
Grundplatte 8307.x-xxx
Lichtspule z.B. 8305.2-120/1
Jason1 hat mir freundlicherweise eine 42-W-Biluxspule und eine eine Halogenspule zur Analyse geschickt, die ich auf meinem Lima-Prüfstand durchgemessen habe. ![]()
[Blockierte Grafik: http://thumbs.picr.de/20180223ar.jpg]
Da ich noch eine Nachbau-Halogenspule Marke "PLITZ" herumliegen hatte, konnte ich diese auch mit am Vergleich beteiligen. Man hat sich bei den Nachbauspulen offenbar nicht so ganz an die Originalspulen gehalten, was deutliche Abweichungen in den Ergebnissen beweisen. Um andere Fehlereinflüsse ausschließen zu können, müßte man mehrere Spulen durchmessen, das war mir dann aber doch etwas zuviel Aufwand.
Vorbemerkungen zur Last:
Bevor ich Messungen unter Last durchführen konnte, mußte ich mich zunächst mit den Leuchtmitteln befassen. Es ist nämlich nicht so, daß eine Lampe 12 V, 35 W ihre Nennleistung bei 12,0 V abliefert:
[ATTACH=CONFIG]13133[/ATTACH]
Weil die Lampen im Moped parallelgeschaltet sind (Scheinwerfer, Rücklicht, Fernlichtkontrolle), muß zwangsweise ein Kompromiß eingegangen werden, d.h. die eine Lampe gibt weniger, die andere mehr ihrer Nennleistung ab. Ich habe mich bei meinen Messungen auf die "Konstruktionsspannung" 13,2 V bezogen. Das heißt also, es wird mit einem Lastwiderstand bei 13,2 V eine Leistung von 42 W umgesetzt, was 4,15 Ohm ergibt. Abschließend betrachtet war das doch etwas sportlich ausgelegt, schließlich ist die tatsächliche Nennspannung der Lampen noch höher.
Hier nun die Tabelle mit den wesentlichen Meßdaten der Spulen im Vergleich:
[ATTACH=CONFIG]13134[/ATTACH]
Es fällt gleich auf, daß sich die "PLITZ-Spule" weder zur Bilux-, noch zur Halogenspule zuordnen läßt. Anhand der Leerlaufspannung läßt sich auf die Windungszahl schließen. Doppelte Leerlaufspannung deutet auf doppelte Windungszahl hin. Man sieht der "PLITZ-Spule" ihre höhere Windungszahl schon an (Bilder folgen). Auf die Leistungsabgabe hat das allerdings gar keinen wirklichen positiven Einfluß, so wird die Nennleistung erst bei höherer Drehzahl erreicht, wie man in Zeile 9 sieht. Man kann das damit erklären, daß eine erhöhte Windungszahl zwar für eine höhere Leerlaufspannung sorgt, aber eben auch für einen erhöhten induktiven Widerstand, der den Stromfluß drosselt und damit den Vorteil wieder vernichtet (geringerer Kurzschlußstrom, letzte Zeile).
Da es aber eher um den Vergleich der Halogen- mit der Biluxspule geht:
Eindeutig vorne liegt die Halogenspule mit ihrem Kurzschlußstrom von 3,88 A im Vergleich zur Biluxspule, die nur 3,45 A bringt. Auch wird die Nennleistung deutlich eher erreicht (4000 zu 6000 Umdrehungen). Besonders auffällig ist, daß die Bilux-Spule mit ihrem dazugehörigen U-Polrad gar nicht 42 W erreicht. Selbst bei 6000 Umdrehungen sind mit Mühe und Not nur etwas über 32 W erreichbar. Das hat auch etwas mit dem oben erwähnten "sportlichen" Lastwiderstand zu tun. Hätte ich ihn für eine höhere Nennspannung ausgelegt, wäre damit auch mehr Leistung zu messen gewesen.
Zunächst noch ein kurzer Vergleich zwischen E- und U-Polrad.
Mit guter Näherung steigt ohne Belastung die Spannung linear zur Drehzahl an, während der Kurzschlußstrom nahezu gleich bleibt (Stromquelle) und auch schon bei sehr niedrigen Drehzahlen hohe Werte annimmt. Dieses Verhalten ist unabhängig vom Polrad-Typ und gilt sowohl für die Synchronmaschine (z.B. Simson-Lima, moderne Kfz-Limas, Fahrraddynamo, ...) als auch für die Gleichstrommaschine (z.B. Anlasser, Scheibenwischermotoren, die alte 6-V-Lima vom Trabbi, ...).
[ATTACH=CONFIG]13135[/ATTACH] [ATTACH=CONFIG]13136[/ATTACH]
Man sieht hier sehr gut die unterschiedlich starke Magnetisierung der Polräder. Das stärkere Feld des E-Polrads äußert sich in höherer Leerlaufspannung (ca. +10 %) und höherem Kurzschlußstrom (ca. +15 %) im Vergleich zum U-Polrad. Da wir es hier mit einer permanenterregten Maschine (Dauermagnete) zu tun haben, läßt sich die Maschine nicht regeln; man kann also nur von außen den abgegebenen Strom bzw. die abgegebene Spannung durch zusätzliche Belastung (z.B. durch EWR) reduzieren/regeln. In Serienschaltung kommt als schwächendes Element noch die bekannte Rücklichtdrossel in Frage, aber das sei nur am Rande erwähnt.
Zum Schluß die eigentlichen direkten Vergleiche zwischen Halogen- und Biluxspule, einmal im Spannungs- und einmal im Leistungsverlauf:
[ATTACH=CONFIG]13137[/ATTACH] [ATTACH=CONFIG]13138[/ATTACH]
Edit:
Hier der direkte Vergleich der Spulen am E-Polrad:
[ATTACH=CONFIG]13144[/ATTACH]
Zusammenfassend kann man also sagen, daß sich die Spulen in jeder Hinsicht unterscheiden. Einen wesentlichen Einfluß hat natürlich auch das Polrad mit seiner unterschiedlich starken Magnetisierung zwischen E- und U-Ausführung.
Die Spannung bei Halogenspule und U-Polrad, einmal mit 35 W Bilux und einmal zusätzlich mit 5 W (Rücklicht):
[ATTACH=CONFIG]13216[/ATTACH]
Zu bedenken ist, daß die Spannung ohne weitere Last (ohne Primärspule und ohne Lade-/Rücklichtspule) gemessen ist und dementsprechend hoch ist. Für realistischere Werte müßte also zumindest die Zündung mit angeschlossen werden.
Wie sich mindestens 70 W aus der Halogen-Lichtspule herausholen lassen, lest Ihr hier:
https://www.simsonforum.net/allgemein/3022…tml#post2856424
Wird fortgesetzt...
Falls es Änderungen/Ergänzungen gibt, erfolgt das hier in diesem Eröffnungsbeitrag, ich gebe zusätzlich noch Bescheid.
Wer spezielle Messungen/Vergleiche haben will, sagt einfach Bescheid. Man kann so ziemlich alles messen. ![]()