Der Motor kommt frisch regeneriert zurück oder der neue Zylindersatz ist montiert, und jetzt am liebsten gleich Vollgas. Genau das ist der teuerste Fehler, den man an dieser Stelle machen kann. Kolben, Ringe und Zylinder müssen sich erst aufeinander einarbeiten. Wer das überspringt, holt sich einen Klemmer, und dann liegt der frisch bezahlte Motor nach zweihundert Kilometern wieder auf der Werkbank. Im Board liest man diese Geschichte jedes Frühjahr mehrfach.
Die ersten 500 Kilometer
... entscheiden darüber, wie lange der Motor hält. Fahrt mit wechselnden Drehzahlen statt konstant: beschleunigen, rollen lassen, wieder beschleunigen. Monotones Dauertempo auf der Landstraße ist in dieser Phase Gift.
Vollgas und hohe Dauerdrehzahlen bleiben tabu, zügig mitschwimmen ist dagegen kein Problem. Genauso wenig gehören volle Zuladung, Sozius und lange Steigungen in die Einfahrzeit, denn hohe Last bei niedriger Drehzahl schadet genauso wie ständiges Ausdrehen. Und die ersten Kilometer jeder Fahrt fahrt ihr gemächlich, bis der Motor auf Betriebstemperatur ist. Das gilt übrigens auch noch lange nach der Einfahrzeit.
Das Mischverhältnis
In der Einfahrphase braucht der Motor mehr Schmierung. Viele fahren die ersten Tankfüllungen mit 1:33 statt 1:50, bevor sie auf das normale Verhältnis wechseln, Grundlagen dazu stehen im Artikel Welches Öl für die Simson?. Der Motor läuft dadurch etwas fetter und qualmt mehr als gewohnt. Das ist gewollt und vergeht wieder.
Die Inspektion danach
Nach den ersten paar hundert Kilometern nehmt ihr euch noch einmal eine Stunde am kalten Motor. Zylinderkopfmuttern mit Gefühl nachziehen, Kerzenbild anschauen, rehbraun ist gut, Schrauben und Züge durchgehen. Und schaut euch den Vergaser noch mal an: Nach dem Einlaufen läuft der Motor oft anders als in der ersten Woche, das Standgas wandert gern ein Stück. Beim Feinschliff hilft der Standgas-Artikel.
Die Warnzeichen
Nachlassende Leistung, metallische Geräusche oder ein Motor, der beim Gaswegnehmen kurz hakt: Dann sofort Kupplung ziehen, anhalten und abkühlen lassen. Ein beginnender Klemmer kündigt sich fast immer an, und wer rechtzeitig reagiert, kommt oft mit dem Schrecken davon. Die Ursache ist dann meistens zu magere Abstimmung oder Nebenluft, und beides gehört vor der Weiterfahrt geklärt.
Titelbild: Asurnipal, Wikimedia Commons, Lizenz CC BY-SA 4.0