Der originale BVF ist ein solider Vergaser, ausgelegt ist er für 3,7 PS. Wer einen Tuningzylinder verbaut und sich wundert, warum er nicht zieht, kommt früher oder später auf die Mikuni-Vergaser. Technisch ist das ein Rundschiebervergaser. VM16 und VM24 sind in der Simson-Szene die beiden Klassiker. Wir nehmen uns in diesem Artikel die Details vor.
VM16 oder VM24
Die Zahl im Namen gibt den Durchlass in Millimetern an. Hier wird es schon wichtig. Ein zu großer Vergaser bringt genauso wenig wie ein zu kleiner. Als grobe Orientierung:
- Der VM16 ist der unkomplizierte Einstieg. Der Stehbolzenabstand von 40 mm entspricht dem der Simson-Zylinder - er lässt sich also ohne Adapter montieren. Passend ist er für leicht getunte Motoren bis in den Bereich um 60 bis 70 cm³.
- Der VM24 ist eine Nummer größer und wird ab etwa 70 cm³ aufwärts sinnvoll - also bei deutlich zweistelligen PS-Zahlen. Er benötigt in der Regel einen Adapter auf den Ansaugstutzen.
Dazwischen gibt es den VM20, der in der Praxis oft als zu klein für große Zylinder und zu groß für kleine Zylinder gilt. Deshalb greift man meist direkt zu VM16 oder VM24.
Die Bedüsung
... ist der Punkt, an dem die meisten scheitern. Ein Mikuni ist innen völlig anders aufgebaut als ein BVF, und deshalb sind die Düsengrößen vom BVF auch nicht nutzbar. Wer die gewohnte BVF-Hauptdüse einsetzt, fährt viel zu mager. Für denselben Durchsatz benötigt ein Mikuni eine deutlich größere Düse; beim VM24 entspricht eine 145er Hauptdüse etwa einer 108er im BVF.
Welche Düse nun die richtige ist, lässt sich pauschal leider nicht beantworten. Diese Zahlen sind nur Startpunkte und keine Einstellwerte, denn die richtige Bedüsung hängt an Zylinder, Auspuff, Luftfilter und ggf. sogar am Wetter. Über das Kerzenbild und, im Idealfall über eine Abstimmung auf dem Prüfstand, kann man das Optimum herausholen.
Ist die Düse zu klein und läuft der Motor zu mager, endet das in vielen Fällen im Kolbenklemmer. Der Zylinder wird schlicht zu heiß. Im Zweifel fängt man also lieber eine Nummer zu fett an und arbeitet sich herunter.
Was sonst noch dazugehört
Wie beim Zylinder gilt auch beim Vergaser, dass das Umfeld passen muss. Die wichtigsten Teile:
- Ansaugstutzen oder Adapter, passend zum gewählten Vergaser
- ein Gaszug, denn die Mikuni-Schieber benötigen oft einen anderen Zug oder zumindest eine angepasste Aufnahme
- ein Luftfilter, der zur Abstimmung passt
- ein Düsensortiment, denn ohne ein paar Haupt- und Nadeldüsen zum Probieren wird das nichts
Die Nebenluft
... wird nach einem Umbau gern übersehen. Ein neuer Vergaser bringt neue Übergänge und damit auch neue Stellen, an denen der Motor ungewollt Luft zieht. Macht deshalb erst den Nebenlufttest, bevor ihr an der Bedüsung verzweifelt. Wie das geht, findet ihr im Standgas-Artikel.
Die Rechtslage
Ein größerer Vergaser verändert die Leistung, damit erlischt in den meisten Fällen die Betriebserlaubnis - genau wie beim Zylinder. Der Umbau gehört also zum Gesamtpaket, das eingetragen werden muss. Details stehen im Artikel Tuning und trotzdem legal, zur Begutachtung im Artikel Einzelabnahme nach §21.
Für konkrete Bedüsungsfragen ist das Forum ohnehin die bessere Adresse als jede Tabelle. Im Tuning-Fragen-Thread findet ihr Erfahrungswerte zu praktisch jeder Zylinder-Vergaser-Kombination.
Titelbild: Beademung, Wikimedia Commons, Lizenz CC BY-SA 3.0 de