Bedeutung des Flammpunktes bei Öl

  • Soo sehr oft wird in diesem Forum der Flammpunkt des Öls als ausschlaggebend bezeichnet. Da ich überlegt hatte mir das Castrol Racing 2T zu kaufen (habs nicht gemacht) hatte ich eine Anfrage dies bezüglich an Castrol geschrieben. Ich finde die Antwort sehr hilfreich deswegen poste ich sie mal hier:


    Der Flammpunkt allein sagt aber nichts über die Eignung eines Öles für hochgezüchtete 2-Takt Motoren aus. Bei 2-Takt Motoren gilt es stets zu bedenken, dass das Öl nicht für die Umlaufschmierung, sondern für die Gemischschmierung zusammen mit dem Kraftstoff verwendet wird. Und der Hauptanteil des Benzin/Öl-Gemisches besteht nun mal größtenteils aus Benzin. Dies hat natürlich auch Auswirkungen auf den Flammpunkt des Gemisches, der sich stets an den Flammpunkt des Mischpartners mit dem niedrigeren Flammpunkt angleicht. Bei Ottokraftstoffen liegt der Flammpunkt bei < 21°C. Auch bei Verwendung von Ölen mit einem hohen Flammpunkt wird der Flammpunkt des Gemisches nie signifikant höher als der Flammpunkt des Kraftstoffes liegen.

    Der Zweitaktmotor nimmt schmierungstechnisch eine Sonderstellung ein. Im Regelfall ist hier kein Ölsumpf - wie im Viertaktmotor - vorhanden, daher kann Motoröl nicht durch eine normale Ölpumpe unter Druck an die Schmierstellen geführt werden. Im Kurbelgehäuse muß sich das Öl vom vergasenden Kraftstoff trennen und als Ölnebel Lager, Kolben, Kolbenbolzen, Kolbenringe und Zylinder schmieren. So lassen sich zwar die Zylinderlaufflächen bzw. die Kolben und Kolbenringe zuverlässig vor Verschleiß schützen, in den Lagern aber kann kaum eine hydrodynamische Schmierung aufgebaut werden. Deshalb verwendet man in Zweitaktmotoren auch keine Gleitlager sondern Wälzlager, die einen geringeren Ölbedarf haben. Der Ölnebel kann in die Wälzlager eindringen und reicht zu ihrer Schmierung aus.

    Die allgemeinen Anforderungen an Zweitakt-Motoröle sind:

    - Verschleißschutz von Zylinderlaufbahn, Kolben, Kolbenringen und Wälzlagern, Schutz vor dem Fressen (Festgehen) des Kolbens im Zylinder
    - Verhindern von Kolbenringstecken, Kolbenverlackung und Zusetzen der Auslaßschlitze
    - Verhindern von Zündkerzenverschmutzung (Brückenbildung) und Glühzündungen, Korrosionsschutz, insbesondere der Wälzlager,
    - sehr gute Mischbarkeit mit Benzin
    - Dichtungsverträglichkeit, damit die Elastomere weder verspröden, schrumpfen noch erweichen
    - sowie eine möglichst rauch- und geruchsarme Verbrennung.

    Es spricht also nichts gegen die Verwendung von vollsynthetischen Schmierstoffen für Zweitakter trotz des niedrigeren Flammpunktes, ganz im Gegenteil: Diese Öle sind mehr noch als die mineralölbasischen Zweitaktöle auf die o.a. Aufgaben ausgelegt, obwohl bei diesen in der Regel höhere Flammpunkte vorliegen.


    Sind denk ich recht brauchbare Informationen
    mal abgesehen davon, dass dort Ingenieure arbeiten die sich besser als jeder andere auf den Gebiet auskennen sollten und denen es glaub ich ziemlich wurscht ist ob die jetzt einen Kunden mehr haben der einmal im Monat für 15 Euro Öl kauft oder nicht. Will damit sagen ich glaube nicht das die das nur aus Verkaufstechnischen gründen so schreiben

  • Re: Bedeutung des Flammpunktes bei Öl

    geht in unserem Fall aber um das Öl das unterhalb der Üs bleibt und Zylinder, Lager etc. schmiert. Dort wird nicht gezündet, die Wand des Simsonzylinders wird aber sher Heiß, daher der hohe nötige Flammpkt.

    „Es gibt viele Narren, die so tun, als wären sie gescheit. Warum sollte ein Gescheiter nicht so tun dürfen, als wäre er ein Narr?“ Salvador Dali

  • Re: Bedeutung des Flammpunktes bei Öl

    Danke für den Beitrag marting, schön dass sich ein Mitarbeiter die Mühe gemacht hat und du eine Antwort bekommen hast!

    smu

    engineering the unfair advantage

  • Re: Bedeutung des Flammpunktes bei Öl

    Das was unsere luftgekühlten Motoren brauchen ist nicht zwingend der hohe Flammpunkt wie wir das lange gedacht haben. Es sind die Additve also die Zusätze die dem Öl beigemischt werden damit es mit den hohen thermischen Belastungen klar kommt. Es gibt allerdings 2 Takt Öle die vollsythetisch sind und nicht dafür ausgelegt in einem Luftgekühlten Motor zu werkeln, wenn man diese Öle dann mit viel Temperatur stresst gibt der Ölfilm oft nach und ein Klemmer steht an. Das Castrol RS2 Takt oder wie das hieß zum Beispiel war da völlig ungeeignet, das Castrol A747 dagegen ist ein sehr gutes Öl was auch im Luftgekühlten Motor bestens funktioniert.

    Jannsen

  • Re: Bedeutung des Flammpunktes bei Öl

    Der Flammpunkt bei 2 T Ölen wird maßgeblich durch das zugemischte Naphta (Rohbenzinzusatz für bessere Mischbarkeit beim Tanken und bessere Fleißfähigkeit für Getrennstschmierung) bestimmt. Dieser Anteil bertägt mehrere %. Diese Öle sind in der Regel für den Altagseinsatz vorgesehen. Es gibt aber Ausnahmen!

    Dieses "verdünnte" Öl hat bei gleicher Mischmenge mit Benzin zB. 1/50 einen geringfügig kleineren Ölanteil im Gemisch welcher sich durch etwas mehr Öl ausgleichen lassen könnte was aber nicht notwendig ist.

    Öle mit hohem Flammpunkt sind nicht vorgemischt und daher heute nicht für Altagszwecke sondern eher für Sportzwecke gedacht. Ihre Mischbarkeit mit Benzin ist etwas schlechter und sie sind häufig nicht für Getrennschmierung geeignet. Deshalb gibt es die Assoziation: Hoher Flammpunkt = belastungsfähiges Öl.

    Wie Jan schon schrieb sind andere Dinge zusätzlich zu beachten. Die Inhaltsstoffe.

    Vor allem bei synthetischen Ölen können Esteröle als Zusatz verwendet werden, die Temperaturen über 150° nicht vertragen (Dicarbonsäureester). Dies soll bei "einfachen" Castrolölen RS2T/TTS in der Vergangenheit so gewesen sein. Diese Eigenschaft ist fatal für den Einsatz in getunten luftgekühlten Motoren da diese sehr heiß werden.

    MFG

  • Re: Bedeutung des Flammpunktes bei Öl

    Hey dich gibts ja auch noch ;)
    schöne Erklärung, da wird einiges klar.

    Mal zur Mischbarkeit: was heißt nun eigentl. gut mischbar, schlecht mischbar....kann ich ein öl das sich gut mischt NACH dem tanken reinkipen und los fahrn, oder muss er vorher rein. muss ich danach das mopped noch schütteln? oder ist das nur bei schlecht mischbaren so?

    beim A747 kann ichs beim ausspülen des Messbechers sehn, das es sich nur unter bewegung mischt,daher schüttel ich den kanister lieber 5min(bei 20l damals für die große 2T konnte man das gleich noch als Fitnesstraining werten :D ).

    „Es gibt viele Narren, die so tun, als wären sie gescheit. Warum sollte ein Gescheiter nicht so tun dürfen, als wäre er ein Narr?“ Salvador Dali

  • Re: Bedeutung des Flammpunktes bei Öl

    Wie schon beschrieben lässt sich vorgemischtes/ selbstmischendes Öl mit Kraftstoff viel schneller vermischen. Ich glaube ich habe schon mal auf einer Ölsorte den Hinweis gesehen, dass es sogar erst nach dem Tanken hinzugefügt werden kann. Ich rate allerdings davon ab.

    Nicht selbstmischende bzw. nicht vorgemischte Öle müssen ordentlich mit dem Kraftstoff vermengt werden. Da reicht der Druck aus der Zapfpistole an der Tankstelle ggf. nicht aus. Früher hat man sich sogar spezieller Mischpumpen bedient. Um sich diese Prozedur zu sparen, kann man sich das Öl auch selbts vormischen. Einfach etwas Kraftstoff/ Reinigungsbenzin in die Ölflasche zugeben (10-20%) und ordentlich durchschütteln. Nichts anderes machen die Ölhersteller.

    Als Beispiel Shell Advance Ultra 2 besitzt 20-30% Destillate (Erdoel), mit Wasserstoff CAS-Nr. 64742-47-8 (kerosinähnlich)

    Das Öl ist für ein Mischverhältnis von max. 1:50 vorgesehen. Da kann man sich ja ausrechnen wie das Mischungsverhältnis ohne die Vormischkomponenten tatsächlich ist nämlich 1:60 bis 1:70.

    Roving

  • Re: Bedeutung des Flammpunktes bei Öl

    @ Roving: Bist du in der Petrochemiebranche taetig? Klingt verdammt danach :D

    Interessante Beitraege!

    "Ich fürchte den Tag, an dem die Technologie unsere Menschlichkeit überholt. Die Welt wird dann eine Generation von Idioten sein." Albert Einstein (1879-1955)

  • Re: Bedeutung des Flammpunktes bei Öl

    Hokus pokus :sorry:

    Wenn dann sind in dem Falle phenole beigemischt, welche mit Wasserstoff substituiert werden....
    nix Kerosin - das ganze diehnt als farb und Aromastoff

  • Re: Bedeutung des Flammpunktes bei Öl

    Was verstehst du unter "Aromastoffe"?
    Die Farbe des Oeles waere mir als Endnutzer relativ Rille :)

    "Ich fürchte den Tag, an dem die Technologie unsere Menschlichkeit überholt. Die Welt wird dann eine Generation von Idioten sein." Albert Einstein (1879-1955)

  • Re: Bedeutung des Flammpunktes bei Öl

    Wahrscheinlich meint er "Geruchsmasken", wie Rosenöl, Erdbeer oder Vanille. Das war ja Anfang der 90er mal populär um die Kunden zu ködern...

    engineering the unfair advantage

  • Re: Bedeutung des Flammpunktes bei Öl

    Zitat von smu

    Wahrscheinlich meint er "Geruchsmasken", wie Rosenöl, Erdbeer oder Vanille. Das war ja Anfang der 90er mal populär um die Kunden zu ködern...

    Angerissen hatte ich deine Punkte gedanklich auch schon Bastian, kann es mir aber nicht vorstellen / will trotzdem mal hoeren, was HAGGEN dazu zu sagen hat. Er soll nicht einfach nur komplex-anglistisch klingende Woerter reinschmeissen, sondern auch erlaeutern, was er damit meint. Dient ja allen interessierten Forenusern hier, die Nachholebedarf beim Thema Mischoel haben :D

    "Ich fürchte den Tag, an dem die Technologie unsere Menschlichkeit überholt. Die Welt wird dann eine Generation von Idioten sein." Albert Einstein (1879-1955)

  • Re: Bedeutung des Flammpunktes bei Öl

    ich kann aus langer erfahrung mit dem a747 sagen, das es sich nach langer standzeit absetzt!

    allerdings ist zu sagen,dass ich es mit dem a747 und motul800 noch nie zu einem klemmer geschafft habe.

    das oftmals angepriesene 15w40 führt sehr oft zu verkokungen und einem überbrücktem kerzenkontakt.

    schön mal wieder vom roving gelesen zu haben :)

    grüße

    krosser sagte : "und wozu polieren wenn man naturchrom hat?"

    mein weinroter rollerkiller __70 4k__

  • Re: Bedeutung des Flammpunktes bei Öl

    Eine substitutionsreaktion ist doch nix angelsächsisches :strange:

    Bei der Verbrennung bleiben so viele Wasserstoffmoleküle übrig, das sie neue Verbindungen zu zB alkylpyrazinen eingehen...Vannilin genauso wie bereits richtig gesagt
    Wodurch riechen diese Öle so "lecker" nachdem sie verbrannt sind und nicht beim mischen bzw aus der Flasche?

  • Re: Bedeutung des Flammpunktes bei Öl

    @ Haggen....Hokus Pokus....einfach mal den Beipackzettellesen was drin ist. Dafür mus man noch nicht mal Petrochemiker sein?!

    Kerosinähnlich heißt nicht Kersoin...Kerosin ist sowieso ein Kohlenwasserstoffgemisch....somit ist die genaue Zusammensetzung nicht definiert....!


    MFG

  • Re: Bedeutung des Flammpunktes bei Öl

    Falls es interessiert...

    seit nun dem 3.8.11 steht in meiner Werkstatt ein halber Liter 1:30 Super+/15w40(billigste ausm Baumarkt) in einem geschlossenen Glas.

    Es ist nicht ein Hauch von "entmischen" erkennbar,und das Gemisch sieht aus wie am Tag der Befüllung.

    Dennoch rate ich stark davon ab,nach nun 2 Klemmern mit 15w40,einem pervers verkorktem Auspuff,gräulichem Schleier in der Laufbuchse,und,und,und...

    RMBOrcng

  • Re: Bedeutung des Flammpunktes bei Öl

    Die Ricin/Rizinus basierenden oder Ester Öle sind immer gut aber eher was fürs Rennen und nicht für die Straße und bei kalten Temperaturen ist auch davon abzuraten...
    desweiteren Mischen sie sich wunderbar mit Ethanol ich fahre zb in meinem Pocketbike nur noch E85 entweder mit Castrol R40 XR77 oder A747.

    Mit E85 gefühlt besseres ansprechverhalten und schnelleres hochdrehen ich überlege das an der Simson auch mal zu experimentieren, schaden sollte es nicht muss man halt etwas höher bedüsen.
    Aber normale Öle lassen teils überhaupt nicht mit Ethanol mischen Flockt sofort aus...

    So E100 würde mich auch interessieren aber bekommt man ja nicht.

    Übrigens der geruch ist einfach Geil Alk+Rizinus basis etc!

  • Re: Bedeutung des Flammpunktes bei Öl

    Nicht bei jedem Klemmer gleich auf das Öl schließen...erst wenn andere Öle im identischen Motor durchhalten und nix klemmt ist der Nachweis erbracht das es am Öl lag.

    Verkokungen: ja gibts und wen stören sie...im Auspuff mich nicht da ich ihn wenn nötig reinige...im Auslass...bei zügiger Fahrweise und entsprechender Motorauslegung sind sie gering... im Zylinder...können klingeln verusachen....aber alles beherrschbar...

    Ich bin es ehrlich gesagt es auch leid...ich breche hier keine Lanze für das Öl aber es funktioniert...natürlich mit Einschränkungen...wer im Altag fährt mit mäßiger Last kommt sowieso mit jedem anderen Standard-Öl klar...da muss es nicht mal Rennöl oder 15W 40 sein...

    http://%22http//www.ostbock-schwerin.de/leistung5.htm%22


    ES IST SCHLIMM WENN ÄPFEL MIT BIRNEN VERGLICHEN WERDEN.

  • Re: Bedeutung des Flammpunktes bei Öl

    Ich fahre seit etwa einem Jahr nur 15W40 ca.1:30 . Ablagerungen auf`m Kolben
    und Kerze sind ,na klar,vorhanden .Zündkerze hatte nie Aussetzer .Auspuff ist völlig frei,bis auf das Schalldämpferröhrchen ,
    welches sich einfach säubern läßt ,etwas zugekokt halt. Krümmer , Mittelteil und Endkegel sehen völlig i.O. aus .Der Ausslass vom Zylinder war glatt wie ein mit Betumen eingeseifter Babypopo .
    Keine Klemmer ,keine Probleme ,5000km Vollgas ,bin immer noch vollstens zufrieden damit .
    Aber bevor ich haue kriege sagsch ma. Muß jeder mit sich selbst ausmachen und seine eigenen Erfahrungen sammeln.

    mfg

    S51E

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