Winkel Pleuel / gekröpfter Pleuel

  • Hallo,

    ich habe mal was interessantes gefunden, dass schon etwas älter ist, dass ich so aber gar nicht kannte. Durch den Einbau / Montage eines in einer bestimmten Form gekröpften Pleuel / Winkelpleuel soll man eine Steigerung der Leistung / Drehmoment bekommen, bei gleichzeitiger Senkung vom Schadstoffausstoß.


  • Zitat:

    " Mit klassischer Mechanik in der Größenordnung um 25 % Kraftstoff sparen?

    Es ist möglich, wie Praxiserfahrungen belegen. Der Pleuel mit dem „Knick“, den der Schwabe Siegfried Meyer entwickelte, senkt bei Verbrennungsmotoren deutlich den Brennstoffkonsum und die Emissionen. Gleichzeitig steigt das Drehmoment.Motorenentwickler nutzen heutzutage mehr denn je die Elektronik, um den Konsum der Maschine zu drosseln. Mechanische Innovationen sind eher selten. Als letztes Jahr BMW ihre „Valvetronic“-Motoren mit stufenloser Ventilsteuerung vorstellte, erregte das dann auch großes Aufsehen. Nicht allein, weil je nach Betrieb der Benzinverbrauch bis zu 10 % geringer ist als bei vergleichbaren Antriebsaggregaten, sondern eben auch, weil dies mit einer Mechanik-Innovation gelang.Der klassische Maschinenbau besitzt also auch beim Verbrennungsmotor noch Entwicklungspotenziale. Selbst der altbekannte Pleuel bietet bisher ungeahnte Möglichkeiten der Verbrauchsminderung, erklärte Siegfried Meyer gegenüber den VDI nachrichten. Seine spezielle Pleuelstange reduziert beispielsweise den Konsum eines Bus-Motors um fast 40 %. Man müsste annehmen, die Automobilindustrie stände bei dem Entwickler Schlange – weit gefehlt, er fühlt sich auf verlorenem Posten. Vielleicht liegt es daran, dass Meyer weder akademische Würden noch eine ingenieurtechnische Ausbildung vorweisen kann. Der Schwabe aus Nördlingen jagte seit seiner Ausbildung als Kfz-Mechaniker und seiner Zeit als Motocross-Rennfahrer immer ein und derselben Idee nach: der Optimierung seiner Maschinen auf unkonventionelle Weise. Dabei ging es nicht um das Feintuning des Vergasers oder die Manipulation der Auspuffanlage; Meyer rüttelte an einem Grundelement der Motorentechnik, das seit Erfindung der Dampfmaschine mehr oder minder unverändert in jeder Variante des Verbrennungsmotors vorkommt: der Pleuel. Der Pleuel, die bewegliche Verbindung zwischen Kolben und Kurbelwelle, hat die Aufgabe, die vertikale Kolbenbewegung, die durch die Expansion des verbrennenden Luft-Gasgemisches ausgelöst wird, in die Rotationsbewegung der Kurbelwelle und damit des Getriebes umzuwandeln. Diese Kraftübertragung hat mittels einer geraden Pleuelstange zu erfolgen, so der Grundsatz jedes Hubkolbenmotors. Dass ein Knick bzw. eine Kröpfung im Pleuel ungeheure Reserven bei Drehmoment, Kraftstoffverbrauch und auch Schadstoff-Emission freisetzen kann, glaubte dem findigen Schwaben bislang kaum jemand. Schon gar nicht die gängigen Prüfinstitute in Deutschland, die sich teilweise schlicht weigerten, die Messungen an den von Meyer modifizierten Motoren durchzuführen oder amtlich zu protokollieren. Völlige Ablehnung erfuhr Meyers Entwicklung gar bei Automobilherstellern und Zulieferern. Erst die finanzielle Unterstützung von privaten Investoren schuf die Möglichkeit einer patentrechtlichen Absicherung „und zwar weltweit“, wie Meyer versicherte. Inzwischen gründete er mit der Simertec Ltd. ein Unternehmen zur Entwicklung und zum Bau von Verbrennungsmotoren mit Sitz in Taiwan. In Fernost sieht sich Meyer auch weit mehr anerkannt. Bei den öffentlichen Busbetrieben der Hauptstadt Taipeh sorgte ein mit seinem Pleuel umgerüsteter Linienbus nach einer Laufleistung von über 50 000 km für Aufsehen. Von höchstamtlicher Stelle wurde dem Deutschen eine Spritersparnis von fast 40 %, von 58 l/100 km auf nunmehr 35 l/100 km, attestiert. Zu einem ähnlichen Ergebnis kam Reinhold Streng. Der Spediteur unterhält einige Lkw, die mit einer jährlichen Fahrleistung von weit mehr als 100 000 km Schwergut quer durch Deutschland transportieren. Auf eigenes Risiko und eigene Kosten ersetzte Streng die sechs Pleuel seines 40-t-Sechszylinder MAN-Diesels durch Meyer-Pleuel. Sein Fazit: „Statt bisher durchschnittlich 37 l brauchte die umgerüstete Zugmaschine nur noch 28 l pro 100 km“, dokumentierte der Spediteur. Gleichzeitig seien die Abgaswerte um durchschnittlich 40 % gesunken, und Ruß sei kaum noch emittiert worden – ein fast unglaubliches Resultat, doch der zerlegte Turbolader war selbst nach 8000 km fast frei von schwarzen Ablagerungen. Allein der reduzierte Dieselverbrauch, so rechnete Streng den VDI nachrichten vor, amortisiere die rund 8000 d teure Umrüstung binnen eines Jahres. Auf dieses Argument baut auch Siegfried Meyer. Er möchte nach den wenig ermutigenden Erfahrungen mit der deutschen Motorenindustrie einen anderen Weg gehen und setzt voll auf den Markt der Nachrüstung. „Wenn die deutschen Automobilbauer die enorme Umwelt-Entlastung durch den neuen Pleuel nicht als Verkaufsargument nutzen möchten, dann muss eben das Argument der Kraftstoffersparnis greifen“, so Meyer. Es zeigen nicht nur umbauwillige Spediteure steigendes Interesse an der Entwicklung, auch die Schifffahrt mit ihrem extrem hohen Brennstoffverbrauch sieht er als attraktives Geschäftsfeld. Mittlerweile laufen weltweit mehr als 70 Verbrennungsmotoren mit dem neuen Pleuel, Diesel- und Benzinmotoren als Vier-, aber auch als Zweitakter. „Das Prinzip funktioniert im 11-cm3-Modellflugzeugmotor wie in der 13,0-l-Lkw-Maschine“, betonte Meyer. Würden die Motorenhersteller auf sein Patent setzen, entstünden außer den Lizenzgebühren praktisch keine weiteren Kosten; technisch müssten lediglich Zündzeitpunkt, Einspritz- und Steuerzeiten angepasst werden. Die abgewinkelten Pleuel selbst sind auf Grund der etwas größeren Krafteinwirkung konstruktiv verstärkt, wobei die Kurbelwellenbelastung durch den verbesserten Abrolleffekt um rund ein Drittel geringer sei, was sich auf die Lebensdauer des Motors verlängernd auswirke, so der Entwickler. Inzwischen setzt auch Ulli Strecker, vierfacher deutscher Meister im Motorrad-Cross in der 125-cm3-Klasse, auf den neuen Pleuel und schätzt vor allem den Zugewinn an Drehmoment im unteren Bereich. Der Motorenhersteller AS dagegen hat ein anderes Ziel. Er möchte bei seinen Rasenmähern zukünftig auf Katalysatoren verzichten. Daher wurden Motoren mit den neuen Pleuel ausgiebigen Abgastests an der Fachhochschule Offenburg unterzogen. „Der Pleuel verändert die Verbrennung, das ist sicher“, bestätigte Heinz Eschler, Entwicklungsleiter bei AS Motor in Oberrot. Nach den Messergebnissen der FH Offenburg sinkt die Emission von Kohlenwasserstoffen (HC) von ursprünglich 8800 ppm (parts per million) auf 6900 ppm und reduziert sich der Ausstoß von Kohlenmonoxid (CO) von 4,2 Vol-% auf 0,6 Vol-% sowie der von Kohlendioxid (CO2) von 9,3 Vol-% auf 6,5 Vol-% – und das ohne jede Abgasnachbehandlung. MARTIN BOECKH/WOP Optimierte VerbrennungWährend im traditionellen Pleuel der Kraftverlauf senkrecht von oben nach unten gerichtet ist, erfahren die Kräfte im „gekröpften“ Pleuel eine so genannte außermittige Umlenkung, die zu einem leichteren Abrolleffekt führt. Durch die Winkelstruktur kommt es zu einer Verschiebung der „Death Line“ zwischen Pleuelauge, Kolbenbolzen, Pleuelstange, Kurbelwellenzapfen und Pleuelfuß. Bereits vor Erreichen des oberen Totpunktes trifft die Explosionskraft den Kolben, der diese verzögerungsfrei in die Rotationsbewegung der Kurbelwelle umsetzt. Der Kolben befindet sich länger im Verbrennungsbereich – das ist mit der wichtigste Effekt des Prinzips, denn die Durchmischung von Brennstoff und Luft ist intensiver, die Verbrennung vollständiger und somit abgasärmer. Vor allem der „Quench“-Effekt wird reduziert, bei dem die Flamme in der Nähe der Zylinderwand durch Abkühlung erlischt und teilverbrannte Kohlenwasserstoffe in den Abgasstrom gelangen. Insgesamt verringert sich der Kraftstoff-Verbrauch, und das Drehmoment erfährt vor allem im unteren Drehzahlbereich einen starken Anstieg.

    Na was denkt Ihr darüber. Leider habe ich die Firma nicht gefunden im Internet sonst würde ich mal fragen was die dinger kosten würde und für welche Typen sie angeboten werden. ist aber auf jeden Fall interresant genug dran zu bleiben."

    MFG

  • ein mir bekannter getriebetechnik professor hat mal gesagt, dass er normalerweise keine leserbriefe schreibt. aber bei einem derartigen artikel in irgendeiner fachzeitschrift hätte er sich aber doch zu hinreißen lassen und hat denen geschrieben, dass ein gekröpftes pleuel überhaupt nichts bringt.

  • Steffen85 Und der muss es ja wissen.
    Pleuel sollten ja zu den Fachgebieten eines Professors für Getriebetechnik gehören.

    vollkommen richtig erkannt. ein hubkolbenmotor ist nichts anderes, als ein Schubkurbeltrieb oder Schubkurbelgetriebe. Also eine Art Getriebe. Und damit kennt sich ein Professor für Getriebetechnik bestens aus. Das gekröpfte Pleuel ist Schwachsinn. Wenn es was bringen würde, hätte es jeder Motor.

    Einmal editiert, zuletzt von Steffen85 (23. August 2026 um 15:24)

  • ich bin nicht der professor. hätte ich mittlerweile locker sein können. bin ich aber gar nicht mehr scharf drauf. ich kann dir aber trotzdem versichern, dass das gekröpfte pleuel schwachsinn ist und nichts bringt. ab und zu kommt halt mal so ein daniel düsentrieb mit einer bahnbrechenden erfindung um die ecke, die sich letztendlich als Ente entpuppt. wie auch der Ryger motor. aber andererseits, wenn es solche daniel düsentriebe nicht gäbe, gäbe es wahrscheinlich auch so manch gute sachen nicht.

    Einmal editiert, zuletzt von Steffen85 (23. August 2026 um 15:23)

  • Die gekröpften Pleule machen nix anderes wie die Deachsierung, die es bei unseren Simson Motoren sowieso gibt. Mich erinnert die ganze Geschichte auch an den Ryger Motor. Verschiedene Tuninggrößen sind dem sogar aufgelaufen und haben Pilgerfahrten dort hin unternommen um dann wenig später den Irrtum zu bemerken. Solche Aussagen zu den Pleulen muss man sich auch mal auf der Zunge zergehen lassen. Dort wird von 40% weniger Verbrauch gesprochen. Das heißt auch, dass der Wirkungsgrad um 40% besser werden muss. Wo in der Technik macht man solche Sprünge? Zum Vergleich: wenn man einen RT 125 Motor mit einem F1 Motor vergleicht ist vieeeellleicht so viel drin- Schaut euch mal an, was dazu alles nötig ist.

    Ich denke die Auflösung zu dem Thema kam auch schon im Artikel selbst. Dadurch, dass das Pleul im OT schon eine Art Anlenkung hat, kann viel eher gezündet werden. Außerdem kann man den Motor magerer laufen lassen, was die Druckentwicklung auch wieder beschleunigt. Dadurch erreicht man halt andere Betriebszustände- wahrscheinlich sogar günstigere Abgaswerte, aber an dem Wirkungsgrad wird das nur wenig ändern (vielleicht etwas besser, da der Kolben durch das gerader stehende Pleul nicht mehr so stark an die Zylinderwandung gepresst wird). Außerdem ändern sich durch die andere Anlenkung auch die Steuerzeiten (je nachdem, wie weit man das eben damit treiben will). Was das für die Leistung bedeutet, kann sich denke ich mal jeder hier vorstellen- die von MZ gemessenen Werte von 25% sind dort je nach Motor doch auch schnell erreicht. Außerdem lag MZ 2010 schon im Sterben- da war bestimmt jede Werbung und Aufmerksamkeit gewünscht.

    Wenn alle Experten sich einig sind, ist Vorsicht geboten! :)

  • Die gekröpften Pleule machen nix anderes wie die Deachsierung, die es bei unseren Simson Motoren sowieso gibt.

    Hallo,

    lese deine Beiträge immer gerne und lerne damit sogar dazu. Hier wollte ich aber nochmal nachhaken. Ich denke die Deachsierung hat Einfluss auf Steuerzeiten, Reibung usw, aber das gekröpfte Pleuel? Es lässt ggf mehr Versatz zu, aber sonst sollte es egal sein.

    Einmal editiert, zuletzt von Saibot (24. August 2026 um 21:34)

  • Wo du jetzt so nachfragst, bin ich mir selber nichtmehr ganz sicher. Ich habe mir das deswegen nochmal aufgemalt. Das gekröpfte Pleul ist ja aus der Zylinderachse raus geschwenkt mit den Lagerstellen. Damit sollte die Kraftübertragung ein bisschen gerader in den Kurbeltrieb geleitet werden (sieht tatsächlich auch erst so aus wie bei einer Deachsierung). Aber wenn ich nochmal drüber nachdenke, betrifft das an sich sogar nur den Winkel in dem das Pleul (imaginär) steht. Wenn man sich eine Kraftlinie einmalt, kommt man auf das selbe, wie ein normales Pleul. Sozusagen sehe ich den einzigen Vorteil in evtl. mehr vorhandenen Platz im Motorengehäuse. Das Pleul wird dadurch aber wesentlich stärker Knickbelastet- das macht es wieder schwerer, weil man es dicker machen muss. Also sogesehen sogar noch weniger Vorteile für diese Bauart:hammer:

    Wenn alle Experten sich einig sind, ist Vorsicht geboten! :)

  • Wo du jetzt so nachfragst, bin ich mir selber nichtmehr ganz sicher. Ich habe mir das deswegen nochmal aufgemalt. Das gekröpfte Pleul ist ja aus der Zylinderachse raus geschwenkt mit den Lagerstellen. Damit sollte die Kraftübertragung ein bisschen gerader in den Kurbeltrieb geleitet werden (sieht tatsächlich auch erst so aus wie bei einer Deachsierung). Aber wenn ich nochmal drüber nachdenke, betrifft das an sich sogar nur den Winkel in dem das Pleul (imaginär) steht. Wenn man sich eine Kraftlinie einmalt, kommt man auf das selbe, wie ein normales Pleul. Sozusagen sehe ich den einzigen Vorteil in evtl. mehr vorhandenen Platz im Motorengehäuse. Das Pleul wird dadurch aber wesentlich stärker Knickbelastet- das macht es wieder schwerer, weil man es dicker machen muss. Also sogesehen sogar noch weniger Vorteile für diese Bauart:hammer:

    Hallo,


    Genau das selbe hab ich mir die letzten 2 Tage auch schon gedacht und überlegt ob ich hier irgendwas übersehen habe :-). Egal welche Form das Pleuel hat- wenn es in sich steif ist wirkt es immer nur als gerade Schubstange, es müsste ein knickbares Gelenk haben um den erwähnten Effekt der Desachsierung bzw unsymmetrischen Steuerzeiten zu bewirken


    MFG RZT

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